Barbara G.

 

Leserbrief
(gekürzt)

Nach der Lektüre des Artikels konnte man angesichts all der trüben Nachrichten gerade der letzten Wochen erleichtert aufatmen...

Wenn man - soll heißen: „verschiedene Verantwortliche in Kirchenkreis und Landeskirche" - sich Gedanken über die Erneuerung der Inneneinrichtung unserer Martin-Luther-Gedächtnis-Kirche macht, scheint es ja in Zeiten einer allgemein katastrophalen Finanzsituation zumindest um die Gelder der evangelischen Kirche gut bestellt zu sein! Welch ein Glück!

Andererseits drängt sich die Frage auf, ob diese Veränderungen tatsächlich notwendig sind.

50 Jahre nach Beendigung des 3. Reiches scheinen inzwischen so viele Jahre vergangen zu sein, dass es schwerfällt, einen dringenden Handlungsbedarf zu erkennen.

Geschichte akzeptieren, lässt kein Urteil über gut oder schlecht, richtig oder falsch zu, sondern versetzt in die Lage, Geschichte als Teil der eigenen Vergangenheit zu begreifen und somit einen Schritt in der Auseinandersetzung weiterzugehen. Distanz und Ablehnung, mit dem Finger auf die Vergangenheit zeigen, Zeugnisse entfernen, - muss man sich dann nicht unweigerlich den Spiegel vor Augen halten, ob man nicht die eigene Geschichte abgeschlossen, vergessen, ja für sich entfernt hat?

Die Gemeinde lebt mit der Vergangenheit, die sich noch immer in einigen Insignien offenbart - und nicht diese Zeichen, sondern die Menschen in der Kirche machen ihren Geist und ihre Gesinnung aus.

„We are the world" war eines der letzten Lieder am Ende einer gelungenen, alt und jung, Gemeinde und Fans vereinenden „Country-Weihnacht". Ich hoffe sehr, dass einige der „Erneuerer" den Weg in unsere Kirche gefunden und die besondere Stimmung bemerkt haben.

Das Geld einer Innenrenovierung ließe sich sicher sinnvoller einsetzen und - ein Dank an den Leserbrief der gleichen Ausgabe, unsere Kirche bietet so doch immer wieder Anlass, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.