Losung 2012Jesus Christus spricht: Lass dir an meiner Gnade genügen! Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2 Kor. 12,9) Liebe Leserin,lieber Leser, wäre die Jahreslosung eine Art Horoskop, dann wäre das neue Jahr 2012 ein Jahr der Genügsamkeit. Wir müssten dann lernen, mit dem zufrieden zu sein, was wir haben und das Streben nach mehr ist als Habgier und gottlos zu brandmarken. Und manches Mal scheint unsere Gesellschaft mit ihrer Ausrichtung auf Wirtschaftswachstum in der Tat ziemlich habgierig und wohl auch gottlos zu sein. Und eine „protestantische Bescheideneit“ könnte auch in Hinblick auf Klima und Energieverschwendung ein Gebot der Stunde sein. Warum die Herrenhuter Geschwister den ersten Halbvers jedoch fortgelassen haben, welchen ich Ihnen oben in Dünndruck wiedergegeben habe, weiß ich nicht, doch ist die Jahreslosung zum Glück kein Orakelspruch für das neue Jahr, sondern stammt aus dem 2. Korintherbrief des Apostels Paulus. Korinth war eine lebendige Hafenstadt und lag am Handelsweg zwischen Rom und dem Orient. Die Stadt profitierte vom Fremdenverkehr und war wegen eines ausschweifenden Lebensstils bekannt. Auf seiner zweiten Missionsreise kam Paulus hierher, fand Arbeit als Zeltmacher bei dem Ehepaar Aquila und Priska. Seine Missionstätigkeit erfasste die unterschiedlichen sozialen Schichten und von Anfang an gab es Spannungen und Anfeindungen. Es traten andere Apostel auf und bestritten, dass er ein rechtmäßiger Apostel sei und sein Evangelium lasse die Bindung an die Thora vermissen. Neben etlichen weiteren Streitpunkten, hat Paulus auch unter einer uns unbekannten Krankheit gelitten, die er als „Pfahl im Fleisch“ beschreibt (2 Kor 12,7). Er habe zum Herrn deshalb dreimal inständig gebetet, dieses zu nehmen, doch die Antwort lautete: Es genügt dir meine Gnade! (So wörtlich der Halbvers der Jahreslosung, der ausgelassen worden ist). Damit ist Paulus deutlich gesagt, dass das äußere Leiden bleiben wird, aber Gottes Gnade im Leiden ihm innere Kraft gibt, ja gerade in diesem Leiden Gott ihm nahe zur Seite steht. Bliebe es bei dieser Aussage, so bliebe Paulus nur ein SichAbfinden mit dem Unveränderbaren übrig und sein Leiden quälte ihn weiter. Zum Glück kommen erhellende Nachsätze hinzu. Die Kraft des Herrn ist gerade in seiner Schwachheit mächtig, weshalb er sich zum Schluss sogar seiner Schwachheit rühmt. Im Griechischen hat übrigens das Wort „astheneija“ zwei Bedeutungen, nämlich neben Schwachheit, Schwäche auch Krankheit. Der Apostel Paulus macht eine große Entdeckung gerade in seiner Krankheit, nämlich, dass die einfache Gleichung, ernsthafte Religion = äußerliches Glück und Erfolg gerade in der Person Jesu zerbrochen wird, so dass Gott sich gerade den Kranken und Schwachen zuwendet und ihnen sagt, in dieser Schwachheit bist mir einmalig wertvoll. Er ist im Inneren gerade dann uns nahe, wenn Äußerliches zu zerbrechen droht, denn dann verlassen wir uns auf ihn und leben von der Güte die uns geschenkt ist. Und wie der ausgelassene Halbvers eben auch zusagt, das reicht für ein volles Leben! Wahrscheinlich haben die Herrenhuter Geschwister deshalb zu recht diesen Halbvers weg gelassen, denn am Ende geht es gerade auch in diesem Jahr darum, mit dem uns Gegebenen zuversichtlich und kraftvoll umzugehen. Unser Glaube „kann helfen, auch eine schwere und leidvolle Gegenwart anzunehmen und dem Alltag – wenn auch manchmal unter Tränen - lebensorientiert und lebensbejahend zu gestalten.“ (Nikolas Schneider, Präses der EKD). Und so wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2012, in dem Sie die Gnade Gottes als Kraft gerade in dem Unzulänglichen und in den Schwachheiten ahnen, verspüren und erkennen können! Ihr Pfarrer Olaf Köppen |