Theologischer Monatsgruß - April 2012Jesus Christus spricht:Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Liebe Leserin, lieber Leser, Liebe Gemeinde, Nun ist es Frühling geworden und viele Menschen genießen es, endlich wieder rauszugehen. Vielleicht noch ein wenig „eingemummelt“ und um die Ohren ein frischer, kühler Wind, doch ein Großteil der Menschen drängt ins Freie, in die Parkanlagen, Grünflächen oder Wälder unserer Stadt. Wir genießen die Natur, die Stille oder das Vogelgezwitscher. Viele freuen sich aber auch über die Bewegung, die nun ohne größere Mühe möglich ist. Vor allem ältere Mitmenschen trauen sich nun ohne Sturzgefahr durch Glätte und ohne Erkältungsrisiko durch Kälte und Frost wieder ins Freie, um ein bisschen unter die Leute zu kommen.So ist der Frühling eine „bewegende“ Zeit. Der Monatsspruch für April scheint diesen Drang nach Draußen zu unterstützen. Allerdings geht es hier nicht ins Grüne zur eigenen Erbauung, zum Erholen oder zum Genie ßen ins Freie, sondern gleich in die ganze Welt! Auch wenn dieser Vers aus einem Abschnitt stammt, der wohl nicht ursprünglich zum Markusevangelium gehörte, ist die Sendung in alle Welt deutlich zu vernehmen. Endete das Markusevangelium mit Vers 8 des 16. Kapitels, „und sie fürchteten sich“, so kam im zweiten Jahrhundert ein Schluss hinzu, der vieles aus den anderen Evangelium aufnahm. Denn wie konnte das Evangelium, also die Frohe (!!) Botschaft mit Furcht enden?! Matthäus kennt den Missions- und Taufauftrag, bei Lukas endet das Evangelium mit der Himmelfahrt und Johannes schließt mit der Beauftragung des Petrus die Seinen zu hüten. Also war es mehr als nur im Geiste Jesu auch für das Markusevangelium davon auszugehen, dass Jesus die Seinen in die Welt sandte. Und genau das tut der Monatsspruch! Allerdings übersteigt diese Sendung die übliche Frühjahrbewegung. Bis ans Ende der Welt müssen wir zwar nicht gehen, doch soll insgesamt der ganzen Welt das Evangelium verkündet werden. Nun ist das Predigen vielleicht nicht jedermanns oder jederfraus Sache, doch meint verkündigen auch nicht nur das Reden. Auch Taten können beredsam sein. Vor allem aber sehen die Menschen, wie wir uns verhalten. Dass es immer noch Menschen gibt, die Sonntags nicht beim Brunchen sind, im Volkspark spazieren gehen, draußen im Garten die Frischluft genießen, sondern zum Gottesdienst gehen, ist auch ein Teil von Verkündigung. So wie die ganze Welt von unserem Gott ins Auge gefasst wird, so sind alle Geschöpfe von ihm im Blick. Wir müssen wohl nicht den Tieren predigen, wie es einst Franziskus von Assisi tat. Er tat dies übrigens nicht unbedingt um der Tiere willen, sondern damit sein Orden vom Papst anerkannt wurde. Von Franz von Assisi wird folgende Geschichte berichtet: Eines Tages schlug Franz von Assisi einem jungen Mönch vor, in die Stadt zu gehen und den Menschen dort zu predigen. So machten sie sich auf den Weg nach Assisi, und sie gingen durch Straßen und über Marktplätze und unterhielten sich dabei angeregt über ihre geistlichen Erfahrungen und Erkenntnisse. Erst als sie wieder auf dem Weg nach Hause waren rief der junge Mönch erschrocken: Oh, wir haben vergessen den Leuten zu predigen! Lächelnd antwortete Bruder Franz: “Wir haben die ganze Zeit nichts anderes getan. Denn wir wurden beobachtet und Teile unseres Gespräches haben andere mitgehört. Unsere Gesichter und unser Verhalten wurde gesehen. Und auf diese Weise haben wir gepredigt.“ Dann fügte er hinzu: „Merke dir, mein Sohn, es hat keinen Sinn zu gehen, um zu predigen, wenn wir nicht beim Gehen predigen.“ Und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen bewegenden Frühling, wo Sie beim Gehen predigen, wozu wir durch den Monatsspruch aufgefordert sind: Hinaus zu gehen in die Welt! Ein befreiendes Osterfest und viel Gehen wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Olaf Köppen |