Theologischer Monatsgruß - Jahreslosung 2018

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offb 21,6

Zur Jahreslosung 2018Ein neues Jahr beginnt – jetzt wird alles anders… Oder auch nicht! Woran das liegt, da mag es vielerlei Gründe geben, dass es mit den „guten“ Vorsätzen nicht so recht klappen mag, wenn das Neue dann doch wieder Alltag wird. Ich mag auch gar nicht spötteln darüber, ist doch Wichtiges vorangegangen: Da hat jemand innegehalten (!) und überlegt, was gut war, was nicht so gut war – in der Vergangenheit – und was sich ändern müsste; vielleicht sogar was „ich“ anders machen kann. Das ist nicht gering zu schätzen.

Auch unsere Jahreslosung hebt genau darauf ab: Es wird alles anders! – oder auch nicht, mag mancher denken… Unser kurzes Wort, das schon wunderschönes, anrührendes Bild für sich ist, kann nicht gelesen werden ohne den Zusammenhang, in dem es steht (Offb 21,1-7i.A.).
Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen…
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.
Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;
und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! …
Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

Zur Jahreslosung 2018Es wird sie nicht überraschen, dass dieser Text mit zu meinem Lieblingstexten gehört: ich – Gott – werde bei euch wohnen und der Tod wird nicht mehr sein noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein – Gott wird abwischen alle Tränen… Siehe, ich mache alles neu…!

Ist das nicht schön?!

Ein Bild, das uns mitten ins Herz trifft! Eine neue Schöpfung, die die jetzige weit in den Schatten stellt und alles vergessen lässt, was an ihr noch nicht oder nicht mehr vollendet war. Freude und Wonne und Fröhlichkeit; kein Weinen, kein Klagen, kein unvollendetes Leben, Schutz und Herberge für jedeN, zu Essen und zu Trinken in ausreichender Fülle, keine Vergeblichkeit mehr, keine Bosheit und kein Schaden mehr – Segen über der ganzen Welt und allen Menschen.
Zur Jahreslosung 2018Die Welt ist nicht so – auch noch nicht 2018 –, aber der, der da dieses Buch der Offenbarung geschrieben hat – man nennt ihn Johannes –, nimmt Bezug auf unsere Empfindungen – all jene Empfindungen, die man eher mit der Welt, wie sie ist, verbindet: Ängste, Verluste, den Schmerz der Liebe und Verlorenheit, und er lässt sie als wahr und notwendig stehen und gelten. Aber er nimmt sie deshalb auf, um sein Bild einer anderen Wirklichkeit zu malen – des Reiches Gottes in Vollendung; und nur, wer den Schmerz hier kennt, weiß diese neue friedvolle Welt zu schätzen, weiß um ihre Not-Wendigkeit (!). Dieser Johannes benutzt dieselben Worte wie wohlmeinende, aber hilflose Tröster, die einem gut zureden: nicht mehr dran denken, nicht zu Herzen nehmen, an ´was Schönes denken, das Leben geht weiter... Als Trost in ganz aktuellem Schmerzempfinden sicher ungeeignet, als ein Schlüssellochblick in eine Zukunft, unsere Zukunft einer neuen Welt, fasziniert er mich.

Und die Stimme sprach: Siehe – ich mache alles neu!

Das ist das Schlüssel- und Zauberwort. Siehe – ein weihnachtliches Wort, und man muss schon sehr genau hinsehen, um mit den Augen des Sehers Johannes blicken zu können. Wir dürfen nicht die Augen verschließen…; weder vor der jetzigen Welt mit ihrer erschütternden Aktualität von Krieg, Hass, Gewalt und persönlicher Trauer oder Traurigkeit noch dürfen wir unsere Augen verschließen vor dem Paradies, das noch kommt und von dem das Buch der Offenbarung sagt, das es sich aber auch in dieser Welt schon und immer wieder zeigt. Solange Gottes Reich noch nicht vollendet ist, muss beides im Blick sein.

Das Erste bleibt nicht ewig, das andere – Neue – ist noch nicht.
Das Erste hat aber schon seinen Anfang vom Ende genommen, das andere – Neue – ist doch schon auch jetzt. Und was davon überwiegt, liegt auch bei uns!

Die große Verwandlung hat begonnen und geht auf das große Fest zu. Gott hat sich bewegen lassen, nichts anderes sagt der Text, hat sich bewegen lassen vom Leid, vom Weinen, von der Klage. Selber so bewegt, dass er Himmel und Erde in Bewegung setzt, um Leid in Freude zu wandeln. Ich will fröhlich sein und mich freuen, sagt Gott (Jes 65,18). Er kennt auch das andere, …und er will fröhlich sein und sich freuen – mit uns.
Zur Jahreslosung 2018Er kennt das andere, und Gott gibt dem Raum – der Klage, der Traurigkeit, dem Leid! Wäre es nicht so, könnte er sich davon nicht bewegen lassen. Bei Gott verhallt es nicht; er hat ein Ohr, das hört, ein Herz, das fühlt, eine Hand, die handelt. Er fordert nicht auf: denk an ´was Schönes, mach du das, sondern er macht es. Es ist geschehen (Vers 6). Und all das, was uns das Herz bricht, wird nicht mehr sein. Kein Leben wird mehr daran gehindert sein, zur Erfüllung zu kommen – schöner kann man es nicht sagen. Gestillter Durst… Umsonst! Das wird sein und ist schon jetzt. Es wird sein und ist schon jetzt, was einem Leben Fülle gibt: Friede, Gerechtigkeit, Toleranz, Nähe, Wärme, Liebe, Geduld, Langmut, Sattheit an Geist, Leib und Seele.

Ein Haus – so heißt es in einem melancholischen Gedicht (Ute Zydek, 1981) – ein Haus, das hab ich nicht und werd es niemals haben… Gott sagt: Doch!

In diesem Sinne mit besten Segenswünschen für alle wirklich guten Vorsätze
Ihr
d. lippold